Sie waren die Ehrengäste auf dem diesjährigen Internationalen Paläontologen-Kongress in Tokio und die vielumjubelten Shootingstars in Heidi Klums Castingshow „Germany`s Next Topscorer“ in Onkel Toms Hotel: Die Kicker des Landesliga-Dino TSV Bad Boll.
Dank seiner mittlerweile 17-jährigen Ligazugehörigkeit, genießt der Dino aus dem Erlengarten längst Kultstatus und ist aus dem Landesliga-Alltag nicht mehr wegzudenken.
Mit mächtig Dampf auf dem Kessel und dem Tiger im Tank, war der rot-schwarze Kraftprotz und vermeintliche Underdog in den vergangenen Jahren lautstark und in Lichtgeschwindigkeit durch die Liga gebollert und hatte mit unzähligen Erfolgen, auch gegen namhafte Konkurrenten, für jede Menge Furore gesorgt und in beeindruckender Weise seine Spuren in der Liga hinterlassen, dass selbst die Macher von „Jurassic Soccer Park-Next Generation“ auf den Silberrücken der Landesliga aufmerksam wurden und ihn zum Casting einluden.
Mit frisch aufgezogenen Radreifen und dem Tiger im Tender war der TSV-Express und Tabellen-Achte der Vorsaison aus der Sommerpause geschossen gekommen und hatte mit 16 Punkten (Bilanz: 4-4-0) aus den ersten acht Saisonpartien, einen wahren Traumstart in die neue Spielzeit hingelegt und sich auf Rang drei des Klassements katapultiert.
Auf Grund von außerplanmäßigen Gleisbauarbeiten auf der „Hochgeschwindigkeitstrasse Voralb“ und nur drei mageren Pünktchen aus den vergangenen zehn Begegnungen (Bilanz: 1-0-9/ 7:33 Tore), war der TGV aus dem Erlengarten im vergangenen Herbst jedoch von der Erfolgsspur abgekommen und nach einer Hollywood-reifen Vollbremsung im Frühjahr auf dem Abstellgleis der Landesliga gestrandet.
Nach einem 2:0-Arbeitssieg gegen Liga-Neuling SV Rohrau, ließen die Rot-Schwarzen nur sieben Tage später erneut die Funken sprühen und gewannen das prestigeträchtige Derby beim kriselnden SC Geislingen mit 1:0. Mit einem 2:1-Erfolg gegen den designierten Absteiger TV Darmsheim und einem sensationellen 2:1-Auswärtssieg bei den Löwen des TSGV Waldstetten bauten die Kicker aus dem Erlengarten ihre beeindruckende Erfolgsserie weiter aus und dockten ans gesicherte Mittelfeld an.
Nach einer insgesamt sehr durchwachsenen Saison, in der die Kicker aus dem Erlengarten im Zick-Zack-Kurs durch die Liga gecruist waren, belegten die Rot-Schwarzen schließlich mit 33 Punkten (9-6-13) Rang zwölf des Klassements.
„Die vergangene Runde war total verkorkst“, stellt Bad Bolls Sportlicher Leiter Timo Ascherl rückblickend fest, „die Ergebnisse haben oftmals nicht gepasst und in der Mannschaft wuchs die Unzufriedenheit und Unruhe kam auf“, berichtet der 47-Jährige, „zum Glück haben wir den Turnaround doch noch geschafft“, fügt der ehemalige Regionalliga-Kicker sichtlich erleichtert hinzu.
Er ist charismatisch und der Motivator an der Seitenlinie: Bad Bolls neuer Headcoach Pascal Römpfer- sein Credo: Das Maximum ist das Ziel. Seit seinem Amtsantritt am 1. Juli steht der 45-jährige auf der Kommandobrücke des in Schieflage geratenen Flaggschiffs der Landesliga Staffel 2. „Ich bin von den Verantwortlichen des TSV sehr herzlich empfangen und aufgenommen worden. Das Umfeld ist einfach super und ich fühle mich in Bad Boll unheimlich wohl“, schwärmt der ehemalige Oberligaspieler der Stuttgarter Kickers und strahlt dabei mit der Sonne um die Wette.
In der abgelaufenen Saison war der rot-schwarze Luxus-Liner zusehends in schwere See geraten und drohte nach einer beispiellosen Negativserie (Bilanz: 1-0-9) im Rhein-Herne-Kanal auf Grund zulaufen, ehe Bad Bolls Sportlicher Leiter Ascherl und Staff-Kapitän Matthias Seidl das Kommando von Ex-Coach Fabio Morisco übernahmen, das Ruder herumrissen und den in Seenot geratenen Dampfer dank einer Megaserie von fünf Partien ohne Niederlage (4-1-0), aus der Gefahrenzone manövrierten.
Unterdessen gibt Commander Römpfer die Marschroute für die noch in den Kinderschuhen steckenden Saison 2025/26 vor: „Wir haben einen jungen und sehr talentierten Kader. In erster Linie wollen wir uns finden, einspielen und zu einer Einheit zusammenwachsen“, führt der 45-Jährige aus.
Im Rahmen des inoffiziellen Saisonauftakts und zur feierlichen Kommandoübergabe an Kreuzfahrtschiffkapitän Römpfer, begab sich der runderneuerte rot-schwarze Luxusdampfer am vergangenen Samstagnachmittag auf Jungfernfahrt und hatte im heimischen Yachthafen den ambitionierten Bezirksligisten 1. FC Heiningen zum ersten Härtetest zu Gast.
Vom Anpfiff weg fegten die Akteure mit Vollgas über den „Wembley-Rasen“ im BollWerk-Stadion, dass die Kickschuhe nur so qualmten und die leckeren Stadionwürste vor Freude in der Grillhütte tanzten. Für das erste Schmankerl der Partie sorgten die Gäste nach nur vier Minuten: Mit einem Zuckerpass bediente Heiningens Dennis Kleber seinen Teamkameraden Alperen Emre Karaceylan, der zog gekonnt in die Box und feuerte die Murmel aus 14 Metern und halbrechter Position ins lange Eck (1:0/4.). In der 13. Minute packte Bad Bolls Tornado Baran Ates die Wumme aus, aber sein Geschoss aus zwölf Metern und halblinker Position wurde von FCH-Keeper und Tiefseeforscher Quick Nick Bopp entschärft, indem er blitzschnell ins linke untere Eck abtauchte und den rot-schwarzen Kugelfisch aus der Gefahrenzone beförderte. In der 30. Minute steckte FCH-Kicker Kleber perfekt für seinen kongenialen Sturmpartner Karaceylan durch, der die Murmel aus 15 Metern und zentraler Position humorlos in die Maschen hämmerte und damit auf 2:0 (30.) für die Schwarz-Gelben erhöhte. Nur zehn Minuten später feuerte Bad Bolls Capitano Fabian Falzone von der linken Strafraumkante aus und jagte die Kugel mit Überschallgeschwindigkeit zum 1:2-Halbzeitstand (40.) ins Gehäuse der Schwarz-Gelben. Nur 180 Sekunden nach dem Seitenwechsel schlug die Brandmeldeanlage im Sechzehner der Rot-Schwarzen erneut Alarm: Mit einer scharfen Flanke von rechts in die Verbotszone der Hausherren bediente FCH-Kicker Tim Glaser seinen im Zentrum lauernden und sträflich ungedeckten Mitspieler Kevin Vincek, der das Leder aus zwölf Metern und von einem grellen Lichtblitz begleitet, an den Querbalken zimmerte, dass der Dachstuhl zusammenbrach (48.). Mit einer punktgenauen Hereingabe von rechts in den Strafraum der Schwarz-Gelben setzte TSV-Kicker Lenny Mändle seinen am zweiten Pfosten positionierten Mannschaftskollegen Matteo-Pio Stefania perfekt in Szene, der die Murmel jedoch aus vier Metern an den Pfosten hämmerte, dass das Aluminium noch an Mitternacht wackelte (65.). Nur fünf Zeigerumdrehungen später packte Bad Bolls Standard-Virtuose Mändle seine Stradivari aus, aber sein perfekt getretener Freistoß aus dem rechten Halbfeld fidelte um Haaresbreite über den Querbalken (70.). In der 85. Minute zündete Heiningens Flügelflitzer Glaser im rechten Mittelfeld den Turbo, bretterte über die rechte Außenbahn wie einst Mika Häkkinen über den Hockenheimring, zog in die Box, vernaschte mit einer Finte TSV-Kicker Nathan Winter wie Schweizer Schokolade und legte für seinen im Zentrum heraneilenden Teamkollegen Vincek auf, der das Spielgerät kaltschnäuzig aus zwölf Metern im Gehäuse der Platzherren versenkte (3:1/85.). Nur 180 Sekunden später schickte FCH-Kicker Vincek mit einem Sahnepass seinen Sturmpartner Berk Baybüyük auf Reisen, der die Murmel aus zehn Metern und halbrechter Position in die Maschen pfefferte und damit zusätzliches Salz in die Wunde der Rot-Schwarzen streute (4:1/88.). Den Schlusspunkt in einer sehr unterhaltsamen Begegnung setzte indes TSV-Kicker Stefania, indem er die Kugel aus zehn Metern und halbrechter Position im langen Eck versenkte und damit den 4:2-Endstand aus Gästesicht herstellte.
Heiningens Coach Dominik Mader: „Mit der Leistung der Jungs bin ich sehr zufrieden. Wir haben sehr gut gegen den Ball gearbeitet“, stellt der 36-Jährige freudestrahlend nach Schlusspfiff fest.
„Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht. Die Partie werden wir nun aufarbeiten und unsere Schlüsse daraus ziehen“, sagt indes TSV-Coach Römpfer.
Vorschau:
Samstag, 19. Juli 2025 TSV Bad Boll gegen SV Fellbach, Anspiel 17:00 Uhr
Sonntag, 20. Juli 2025 TSV Gruibingen gegen TSV Bad Boll II; Anspiel 15:00 Uhr
Samstag, 26. Juli 2025 Verbandspokal 1. Runde: TSV Bad Boll gegen TSVgg Plattenhardt, Anspiel 17:30 Uhr